Friederike und die ungewollte Fotogelegenheit

Das Sturmtief Friederike hat vielen Menschen im 18. Januar 2018 das Leben schwer gemacht, Pendler kamen nicht nach Hause, Reisende saßen fest und Bahnmitarbeiter waren nicht zu beneiden. Nun, auch ich bin in der Hoffnung, noch den letzten tatsächlich fahrenden Zug zu erwischen etwas eher von Arbeit zum Hauptbahnhof in Leipzig gegangen. Doch wie das Leben so spielt, die letzten Züge endeten in Leipzig und wurden gar nicht erst wieder auf die Reise geschickt. Aus sicherheitstechnischer Sicht war das vollkommen in Ordnung, aus meiner persönlichen Sicht war das natürlich alles andere als schön. Ich saß nun also im Hauptbahnhof Leipzig fest.

Wie es der Zufall wollte, hatte ich die Hasselblad 500C/M mit dem 50mm Distagon dabei, zusammen mit einer Rolle Kodak Tri-X 400. Natürlich ist ISO400 bei einer maximalen Blende von f/4 nicht wirklich die Wolke, deswegen habe ich gleich von Vornherein auf ISO1600 belichtet. Der Tri-X lässt sich schließlich ganz gut pushen und ich wollte sowieso mal eine Push-Entwicklung selber probieren. Ich hatte nun also genau 12 Fotos, die ich auf den Rollfilm bannen konnte. Vorher war ich noch flott in der DB-Lounge und habe mir einen Kaffee gegönnt, denn ich konnte ja noch nicht wissen, wie lang der Tag werden würde. Das erste Foto hab ich dank eines kleinen Denkfehlers im Wechselsack etwas beschnitten und dort sind nun die Löcher von den Filmklammern drin. Die habe ich auch im Scan drin gelassen, weil ich die irgendwie cool finde.

Auf meinem Rundgang durch die Haupthalle des Leipziger Hauptbahnhofs fiel mir die ruhige, aber dennoch etwas bedrückende Stimmung auf. Alle hofften, dass Friederike schnell wieder von dannen zieht und möglichst wenig passiert. Natürlich wollte auch jeder irgendwie ans Ziel kommen, doch für die Einstellung der Bahn, dass Sicherheit in dieser besonderen Situation Vorrang hat, hatte jeder Verständnis. Die Leute wollten logischerweise Auskünfte, wann der Zugbetrieb wieder aufgenommen würde, das wollte ich auch. Die meisten verkrümelten sich jedoch nach und nach in die Einkaufspassage im Hauptbahnhof und setzten sich in eine der vielen Läden mit kulinarischem Angebot. Obgleich eine gewisse Betriebsamkeit herrschte, so kam dennoch keine Hektik auf.

Nach meinem Rundgang war der Film voll und ich hungrig. Also holte ich mir ein bisschen was zu essen und setzte mich auf eine Bank, abseits der vielen Menschen. Ich dachte daran, dass ich bald nicht mehr pendeln müsste, da ich ab März endlich in Dresden arbeiten würde. Und ich überlegte, dass ich irgendwie nach Hause kommen musste. Selbst der Gedanke, mich zu Fuß auf den Weg zu machen kam mir. Die Idee verwarf ich dann aber wieder schnell, das sind schließlich über 100km, das war zeitlich nicht zu machen. Ich sinnierte über meinen Rundgang und mir fiel auf, dass ich der schönen Osthalle gar keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, mist. Zufälligerweise saß auch meine Bekannte Anja am Hbf fest und wir konnten so gemeinsam die Zeit etwas überbrücken.

Nach einer kleinen Weile erfuhren wir von ihren Kolleginnen, dass ein Ersatzbus in Richtung Riesa und Dresden fahren solle. Und so war es dann auch wirklich. Kurz vor 19 Uhr fuhren wir los, von Leipzig über gefühlt jedes Dorf nach Riesa und dann ohne Zwischenhalt weiter bis Dresden; komplett über die Landstraße, da die Autobahn teilweise gesperrt war. In Dresden angekommen hatte ich tatsächlich noch Anschluss an einen Bus nach Hause und so war ich dann „schon“ kurz vor 22 Uhr zu Hause. Sollte ich mal eine Tochter bekommen, ich werde sie definitiv nicht Friederike nennen 😉

 

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