Die Entdeckung der Buntheit

Rohre, Natur, Velvia 50, Fuji, Dia

Ich gebe es zu, ich bin dem Schwarzweiß eher zugetan als der Farbe. Keine Ahnung, warum das so ist. Oftmals finde ich einfach, dass Schwarzweiß-Fotos schon genug Aussagen in sich tragen und nicht durch eine gewisse Farbigkeit verwaschen werden sollten. Doch das ist ab und an zu kurz gedacht, manchmal braucht es etwas Farbe. Die Frage ist nun, wie soll die Farbe beschaffen sein, um die Bildaussage zu untermauern? In der Analogfotografie hat man nun die Qual der Wahl des richtigen Films. Zwar wird die Auswahl immer begrenzter, sehr zum Leidwesen der Nutzer, doch eine Entscheidung muss trotzdem getroffen werden.

Als erstes wäre da die Frage, ob Farbnegativ-Film oder doch ein Diafilm besser geeignet ist. Beides hat seine Vor- und Nachteile, damit auch ihre Einsatzzwecke und ihre Daseinsberechtigung. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich bis zu meiner Läuterung Diafilm für einen Anachronismus gehalten habe. Wer hat denn heute noch einen Diaprojektor? Dass Diafilm mehr ist, als nur das Medium zum Zeigen alter Urlaubserinnerungen aus vergangener Zeit, machte mir ein Gespräch in meinem liebsten Fotoladen klar. Diafilm ist etwas besonderes und keinesfalls von gestern. Man muss ihn nur richtig einsetzen und auch einzusetzen wissen. Farbnegativfilme hatte ich bisher schon einige durchprobiert, und auch für meine Zwecke die richtigen gefunden. Okay, ich nutze einen Großteil der noch produzierten Filme, da sie alle klasse sind. Egal ob die Portras und der Ektar von Kodak oder die Pro-Filme oder der Superia Xtra von Fuji, ich mag sie alle. Was kann nun ein Diafilm was die nicht können?

Empfohlen wurde mir der Fuji Velvia 50, denn das sei der beste noch produzierte Diafilm. Hmm, naja, die erste Rolle war jetzt von den Ergebnissen nicht so ganz die Wolke, also verschwanden die restlichen Rollen in einer Dose und blieben dort. Zwei Monate später packte mich die Neugier, ob da nicht doch was am dran sei an dem ganzen Lob über den Velvia. Diesmal lud ich ihn allerdings nicht in die Mamiya C330, sondern in die Mamiya RB67. Und ging mit Belichtungsmesser bewaffnet auf die Jagd nach Motiven. Ein Maisfeld mit aufziehendem Gewitter sollte die Bekehrung bringen. Dia rockt!

Richtig belichtet gibt der Velvia 50 Farben wieder, dass sie nur so direkt vom Auge übers Hirn ins Fotografenherz schießen. Das Foto oben ist eines der besten Fotos, das ich je gemacht habe. Und ja, das ist wirklich ein Analogfoto. Es ist mir so gut gelungen, dass es im Analogforum zum Foto des Monats November 2017 gewählt wurde. Das ist das erste Mal, dass eins meiner Fotos eine solche Anerkennung zuteil wird und entsprechend stolz bin ich auch. Vor allem, da es keinen Wettbewerb gab und die Wahl mich sehr überrascht hat. Ansonsten bin ich nämlich bei der Einreichung meiner Fotos zu irgendwelchen Wettbewerben sehr sparsam, da die Konditionen meist arg fragwürdig sind. Aber das ist ein anderes Thema. Hier soll es ja um Diafilme im Allgemeinen und den Velvia 50 im Speziellen gehen.

Der Velvia 50 ist in seiner Benutzung nicht mit einem Farbnegativfilm zu vergleichen. Er lässt sich, zumindest mit meinem eher mauen Scanner (Epson V600 Photo), deutlich komfortabler scannen als Farbnegative. Vielleicht stelle ich mich auch einfach noch zu ungeschickt in der Bedienung der Epson-Software an. Jedenfalls bekommt der Velvia dafür von mir schon mal einen Bonuspunkt. Allerdings muss man den Velvia dafür sehr sorgsam belichten. Solche Ausrutscher, wie beim Fuji Pro 400H, als ich ihn 2 Blenden Überbelichtet habe und er trotzdem noch ein nutzbares Foto lieferte, sind mit dem Velvia unverzeihlich. Jede Über- oder Unterbelichtung wird bestraft, entweder fressen die Lichter aus oder die Schatten saufen ab. Der mangelnde Dynamikumfang wird jedoch durch die augenfreundlich satten Farben mehr als wettgemacht.

Für Landschaften und Natur ist der Velvia wirklich ideal geeignet. Seine Farbwiedergabe ist einfach umwerfend, blau, grün und gelb sind genau seins. Wiesen werden saftig, der Himmel strahlend oder auch bedrohlich und dramatisch. Dazu kommt noch, dass der Velvia durch seine Sättigung, feine Farbabstufungen und Schärfe alles sehr plastisch abbildet. Als ich das Foto „Im Maisfeld“ auf Facebook geteilt habe, meinte ein Betrachter, dass analog immer noch digital schlagen würde. So weit würde ich jetzt pauschal betrachtet nicht gehen, doch Film hat gegenüber der Digitaltechnik durchaus einige Vorteile. Film lebt!

Da ich ja nun mittlerweile offenkundig zu den Velvia-Fans gehöre, habe ich mir bei Maco auch gleich mal zwei 5er Packs kaum abgelaufenen Velvia 50 bestellt und bei uns in den Frost gelegt. Das hatte zwar ein paar verdutzte Blicke meiner Frau zur Folge, aber es gab, zu meinem Erstaunen, keine missbilligende Äußerung. Ich bin also für einige Zeit ausreichend eingedeckt mit diesem wunderbaren Diafilm. Ein Fotoprojekt, das mir letztens in den Sinn kam, werde ich komplett mit dem Velvia und der Mamiya RB67 umsetzen.

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