Ich habe nicht gesucht, aber gefunden: die Hasselblad 500C

Ich finde das Mittelformat in der analogen Fotografie deutlich spannender als das Kleinbild. Das liegt gar nicht so sehr an den Kameras, da gibt es für beide Formate verdammt viele interessante Vertreter. Es sind vielmehr die Begrenztheit der Bildanzahl und das Aussehen der Fotos, die mich faszinieren. Bei meinen Kameras passen zwischen 10 (RB67) und 12 (C330) Aufnahmen auf einen 120er Rollfilm. Mehr möchte ich auch gar nicht darauf bannen. Diese Reduziertheit ist es, die mich zum bewussteren Fotografieren zwingt. Dass ich nur mechanische Kameras besitze ist dann natürlich das i-Tüpfelchen. Trotz des scheinbaren Anachronismus kann ich mit diesen Kameras Fotos machen, die im Ergebnis denen mit modernen Kameras gemachten in Nichts nachstehen. Im Gegenteil, sie haben etwas Besonderes an sich, dass unnachahmlich ist. Oft wird auch vom typischen Filmlook in Verbindung mit dem einzigartigen Mittelformatlook gesprochen. Beim ersten gehe ich mit, denn Film ist etwas völlig anderes als ein Digitalfoto. Der chemische Prozess der Filmbelichtung ist zu einem gewissen Teil auch dem Zufall unterworfen. Deswegen ist Filmkorn auch etwas chaotisch Schönes. Ein Digitalfoto ist das pure Gegenteil, der Versuch der perfekten Ordnung.

Nun besitze ich ja schon zwei Mittelformatkameras, die mechanisch unverwüstlich sind und deren Objektive optisch eigentlich auch untadelig sind. Beide Kameras stammen vom japanischen Hersteller Mamiya, der in einigen Dingen durchaus innovativ war, z.B. TLRs mit Wechselobjektiven anzubieten und die Wechselmagazine der RB67/RZ67 drehbar zu gestalten. Woran die Ingenieure von Mamiya seinerzeit scheinbar weniger gedacht haben, ist die Tragbarkeit ihrer Systeme. Sowohl meine RB67, als auch die C330 sind schon ziemliche Brocken, die bei längeren Touren ihren muskulären Tribut fordern. Auch sind beide Kameras keine wirklichen Handschmeichler. Ein Schwede namens Victor Hasselblad hingegen erschuf schon 1948 eine Mittelformat-Kamera, die handlich und leicht war, die 1600 F mit Schlitzverschluss. Von den Abmessungen her gleich kam im Jahr 1957 die 500C mit Zentralverschluss-Objektiven heraus. Die Zentralverschluss-Objektive lieferte niemand geringeres als die Firma Carl Zeiss aus Oberkochen.

Warum habe ich die beiden Absätze denn eigentlich geschrieben? In der Überschrift steht ja schließlich schon, was ich letztlich getan habe. Nun, sie umfassen zwei wesentlichte Dinge. Erstens, Analog-Fotografie ist für mich eine recht romantische Angelegenheit, hier bestimmt das Herz und nicht der Kopf. Zweitens, die Mamiyas sind zwar toll, aber nicht unbedingt alltagstauglich. Die beiden Aussagen im Hinterkopf kreisend, bin ich beim Stöbern auf Ebay wieder mal über die Angebote alter Hasselblads gestolpert. Ich hatte eigentlich gar nicht nach ihnen gesucht. Da war nun ein Angebot, das einfach unschlagbar war. Doch im Gegensatz zu meinen sonstigen Käufen, die ich aus dem Bauch heraus dann einfach getätigt habe, habe ich diesmal eine Nacht drüber geschlafen. Hat nichts gebracht, ich habe am nächsten Tag zugeschlagen. Eine gut gepflegte Hasselblad 500C mit 80mm Planar und dem 150mm Sonnar liegt nun vor mir. Natürlich, ein Schnäppchen ist eine Hasselblad nie, aber der Preis lag im akzeptablen, bezahlbaren Rahmen. Außerdem hatte ich mit der Kamera etwas besonderes vor und habe meinen Plan auch mittlerweile umsetzen können. Doch dazu dann mehr im letzten Abschnitt.

Es ist erstaunlich, wie gut so ein kleiner Kasten in der Hand liegen kann. Die Finger liegen intuitiv an den richtigen Stellen. Viele Knöpfe hat sie ja nicht, zum Glück. Ich mag diesen Purismus. Dass so eine Hasselblad 500C zeitlos schön ist, darüber muss ich sicherlich nichts schreiben. Sie ist nicht nur eine hervorragende Kamera, auch als Deko-Design-Objekt macht sie eine gute Figur. Die Hassi nicht zu benutzen wäre allerdings ein Frevel. Und deswegen kommt sie bei mir auch zum Einsatz, als Kamera, versteht sich.

Die Hasselblad mit den Zeiss-Objektiven ist in der Bedienung zwar intuitiv nutzbar, unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten von meinen Mamiyas, obwohl diese im Prinzip auch puristisch sind und keinen Schnickschnack bieten. Beispielsweise sind die Einstellringe der Blendenwahl und Belichtungszeit bei den Zeiss-Linsen gekoppelt, was auf den ersten Blick komisch wirken mag. Auf den zweiten Blick jedoch macht das durchaus Sinn macht, wenn man bedenkt, dass sie sich natürlich auch entkoppeln lassen. Bei den Mamiyas sind beide Einstellungen immer getrennt. Der größte Unterschied ist jedoch das Fokussieren. Bei den Mamiyas wird über einen an der Kamera fest verbauten Balgen scharf gestellt, bei der Hasselblad über ein Helicoil im Objektiv und dem von anderen SLRs gewohnten Fokusring. Eine schöne Sache finde ich den Tiefenschärfeindikator, der sich blendenabhängig verstellt. Ist zwar eigentlich eine Spielerei, aber eine praktisch-schöne.

Umso mehr ich mich mit der Hasselblad beschäftige, desto mehr verstehe ich den Mythos und die Begeisterung der Nutzer. Einfach und durchdacht, robust und schön, das sind Attribute, die ich ihr geben würde. Ja, ich verstehe nun, warum viele Fotografen vergangener Zeit die Hasselblad den Konkurrenzprodukten den Vorzug gegeben haben. Klar, sie hat ihren Preis, aber der ist durchaus gerechtfertigt und ich bereue den Kauf auch nicht, nicht im geringsten.

Nun, was hatte ich mit der Kamera vor? Ich wollte die Hasselblad meinem Sohn zur Geburt schenken. Und genau das habe ich auch gemacht. Mein kleiner Emil kann sie natürlich noch nicht selber benutzen. Solange er das nicht kann, nutze ich sie und lichte ihn mit ihr ab. Andere Motive wird sie selbstverständlich auch zu sehen bekommen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Arbeit mit ihr.

 

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