Der dritte Streich – Zeiss Milvus 2/50M

Zeiss Milvus 2/50M

Nachdem ich meinen Objektivfuhrpark eigentlich nicht komplett auf die Milvus-Reihe von Zeiss umstellen wollte, bin ich nun irgendwie doch dabei, genau das zu machen. Ein Zeiss-Objektiv zu kaufen ist immer auch ein bisschen unvernünftig, zumindest wenn man Fotografie nicht hauptberuflich betreibt. Deswegen passiert die Umstellung Stück für Stück und natürlich in Abhängigkeit des Füllungsgrades meiner Fotokasse. Sie gab mal wieder etwas her und deswegen konnte ich mir einen weiteren Wunsch erfüllen.

Als stolzer Besitzer des Milvus 1.4/85 und des Milvus 2/135 weiß ich, was ich an den Zeiss-Objektiven habe. Und auch, was mir fehlt. Unter anderem ein Makro fehlt mir; eins das wirklich zu meiner Fotografie passt. Das fiel mir vor allem bei der vorletzten Hochzeit (von Romy und Basti; Beitrag folgt) auf. Das 135mm ist zwar schon sehr gut für Ringfotos geeignet, aber ein bisschen näher würde ich manchmal schon gern ran. Das 105mm Micro-Nikkor ist irgendwie nicht so meins, weder optisch (CAs von der übelsten Sorte) noch vom Fokussieren (schwammiger geht’s fast nicht) her. Also habe ich mich bei meinem liebsten Objektiv-Hersteller umgesehen und stand vor der Wahl, entweder 50mm oder 100mm Brennweite. Da ich (erstmal) auf die 100 bzw. 105mm verzichten möchte, habe ich mich entschlossen, mir das 50er Makro der Milvus-Serie zuzulegen. Im Gegensatz zu den anderen Objektiven der Baureihe ist es fast ein Schnäppchen. Aber eben nur fast.

Für ein Vollformat-Makro-Objektiv ist es sehr lichtstark und trotzdem kompakt. Im Vergleich mit meinen beiden anderen Milvus-Linsen sieht es da logischerweise recht zierlich aus. Es ist natürlich trotzdem auch ein echtes Milvus: hervorragende Verarbeitung, optisch erstklassig und wettergeschützt. Von anderen modernen Makro-Objektiven unterscheidet es sich in einigen Punkten, wobei wohl der fehlende Autofokus der offensichtlichste ist. Es besitzt natürlich auch keinen Bildstabilisator und hat einen Abbildungsmaßstab von „nur“ 1:2. Was noch? Es ist kein Vertreter der intern fokussierenden Objektivfraktion. Es fährt beim Fokussieren aus und das auch deutlich. Dafür behält es über den gesamten Fokusweg seine Lichtstärke bei. Andere Makro-Objektive verlieren da schon mal gern ein bis zwei Blenden, das 105mm Micro-Nikkor fällt beispielsweise von f/2.8 auf f/4.8 ab. Es hat beides sein Für und Wider. Ich fotografiere ja keine Insekten oder ähnliche Winzigkeiten. Daher reichen mir eine relativ geringe Schärfentiefe und auch der Abbildungsmaßtab von 1:2 vollkommen.

Im Vergleich mit meinen beiden anderen 50mm-Objektiven ist es weder besonders kompakt noch sehr groß. Dadurch, dass es eigentlich nur aus Metall und Glas besteht ist es natürlich trotzdem kein Leichtgewicht. Ist mir aber deutlich lieber so, schon weil es für eine gute Balance zwischen Kamera und Objektiv sorgt. Eine gute Balance heißt auch, dass man weniger wackelt und das wiederum sorgt dafür, dass man auch ohne Bildstabi etwas länger belichten kann. Die Vergleiche hinken ein bisschen, denn die anderen 50mm Objektive sind keine Makro-Linsen. Deswegen soll es ab jetzt nur noch um das Milvus 2/50M gehen. Und da möchte ich erstmal ein paar Fotos zeigen, die ich mit ihm gemacht habe, bevor ich weiter darüber schreibe.

Kurz und knapp, ich bin vom Milvus 2/50M extrem begeistert. Es erzeugt diesen typischen Zeiss-Look, den ich sehr mag und den alle Objektive der Milvus-Reihe verbindet. Wie auch die anderen beiden Milvus-Objektive von mir lässt es sich sehr präzise und butterweich fokussieren. Durch meine mittlerweile doch recht intensive Übung, geht das manuelle Scharfstellen meist flott von der Hand. Wenn das Licht nur noch schummrig ist, bin ich in meinen Augen sogar schneller als mancher Autofokus. Mein Ausschuss ist inzwischen einigermaßen gering, aber es gibt ihn natürlich trotzdem. Ich habe es gleich mit zur letzten Hochzeit (von Angie und Martin; Beitrag folgt) und zum letzten Babyshooting genommen und es bei beiden Gelegenheiten ziemlich ausgiebig genutzt. Fazit danach: Ich geb es nicht mehr her! Es ist sehr vielseitig einsetzbar und passt perfekt zu meiner Art des Fotografierens. Ich habe bei beiden Shootings teilweise das 50mm Sigma im Rucksack gelassen und lieber das Milvus genommen. Ja, so gut ist es! Der Bildlook der Zeiss-Linsen gefällt mir ohnehin am besten. Es ist eben nicht nur ein Makro, es taugt auch sehr gut als Portraitobjektiv.

Das Milvus 2/50M erfüllt alle meine Ansprüche an ein Objektiv. Es nutzt die Auflösung meiner D750 voll aus und ist auch sonst erste Sahne: keine CAs oder sonstige störende Bildfehler. Mehr schreib ich dazu jetzt nicht. Wer auf Pixelpeeping steht oder in 100%-Ansichten lebt, der ist bei mir falsch. Ein Objektiv muss bei mir funktionieren und das macht das Milvus. Labortests geben schließlich kaum wider, wie sich eine Linse im echten Leben schlägt. Das Milvus 2/50M schlägt sich im realen Gebrauch jedenfalls hervorragend.

Also noch mal kurz zusammengefasst:

Positiv:

  • Verarbeitung/Haptik
  • Wetterschutz
  • perfekte optische Leistung
  • manueller Fokus ist ein Gedicht
  • konstante Lichtstärke über gesamten Fokusweg

Neutral:

  • Preis

Negativ:

  • nichts

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