Offene Bühne Sächsische Schweiz 2017

Offene Bühne

Am 20.05.2017 fand im Aktivhof Porschdorf (bei Bad Schandau) die 5. Offene Bühne Sächsische Schweiz statt und ich war mittendrin statt nur dabei. Warum das so war, wieso ich überhaupt dort war und was an dem Abend so passiert ist, darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Bei unserem zweiten Shooting hat Lena mich gefragt, ob ich sie als Fotograf zur Offenen Bühne Sächsische Schweiz begleiten würde. Etwas verduzt fragte ich: „Offene was?“ Lena: „Offene Bühne!“ Und ich wiederum so: „Aha. Und was gibt’s dort?“ Lena: „Kennst du sowas nicht? Mensch, da darf jeder auftreten und seine Kunst zeigen.“ Hmm, meine Neugier war ein bisschen geweckt: „Okay, ich frag mal Madlen, ob wir da schon was vorhaben.“ Lena darauf: „Ich würde mich sehr freuen, wenns klappt.“ Also habe ich im Nachgang etwas über die Offene Bühne recherchiert. Die Fotos von den vergangenen Veranstaltungen ließen mein Interesse weiter wachsen. Dort wird vielfältige Kunst aufgeführt, da müssen auch schöne Fotos davon gemacht werden. Das könnte doch meine Rolle dort sein. Mein Ehrgeiz war geweckt! Also habe ich meine Frau gefragt. Naja, gefragt ist das falsche Wort, eigentlich habe ich gleich gesagt, dass ich da hin will. Nur eine kurze Nachfrage musste natürlich noch sein: „Ist das okay für dich?“. „Ja.“ Super!

Nun mein Ehrgeiz ist ja gut und schön, aber ich habe noch nie Konzerte oder Events fotografiert. Blöd, vor allem wenn ich bedenke, dass ich an mich selbst auch ein paar Ansprüche stelle. Also habe ich angefangen mich vorzubereiten. Einige Konzertfotografen teilen ihr Wissen und das habe ich versucht für mich zu nutzen. Dort stehen dann solche Tipps wie, es empfiehlt sich ein lichtstarkes Zoomobjektiv, Weitwinkel sind im Prinzip unverzichtbar und bei Gitarren nie den Gitarrenkopf abschneiden. Okay, sehr gut oder auch nicht. Ein Lichtstarkes Zoomobjektiv habe ich nämlich nicht. Nachdem ich bei 4 oder 5 Fotografen immer wieder die gleichen Ratschläge und Tipps gelesen hatte, dachte ich, ich wäre theorieseitig ganz gut vorbereitet. Wird schon irgendwie passen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Als ich dort ankam, war klar, dass die vielen Tipps von den Kollegen Konzertfotografen größtenteils wertlos waren. Nicht weil sie nicht gut wären, nein, die Offene Bühne bietet einfach komplett andere Voraussetzungen. Es gibt keine Bühne im klassischen Sinne, hier findet alles auf Augenhöhe statt und die Künstler sind zum Greifen nah. Und so ein Heuboden einer Scheune ist eben kein Konzertsaal. Also habe ich den Soundcheck von den „The Pitchers“ und von Lena, sowie die ersten Proben von den Tuch-Zwillingen (Klara und Charlotte Hempel) genutzt, um selbst ein bisschen zu probieren. Ich habe wie empfohlen mal mit meinem 24-120mm-Zoom fotografiert und fand das überhaupt nicht gut. Passt einfach nicht zu mir. Also bin ich doch wieder auf meine Festbrennweiten umgestiegen. Und siehe da, das war für mich perfekt. 50mm, 85mm und 135mm, mehr brauchte ich nicht. Auch von den Positionen her kristallisierten sich mehr oder weniger 3 Standorte heraus, die ich nutzen würde. Ich fand mich recht gut gewappnet für die Dinge die da kommen mochten.
– Im Folgenden werde ich nicht auf alle Künstler eingehen, das würde den Beitrag sprengen. Falls einer der Künstler das hier liest und sich vermisst, ist das von mir nicht böse oder wertend gemeint. Ihr seid alle super gewesen! –

Nach einem einleitenden Song von The Pitchers, war es an Moderator Timo, die Künstler und Gäste zur 5. Offenen Bühne Sächsische Schweiz zu begrüßen. Er tat dies mit einem kurzen Rap, dessen Text er mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat (nochmal vielen Dank fürs Abtippen, Timo):

Eröffnungsrap – Offene Bühne Sächsische Schweiz

Meine Damen, meine Herren … Guten Abend und hallo!
Wenn ich mich kurz vorstellen darf … mein Name ist Timo.
Und ich freue mich echt, dass Ihr hierher gekommen seid
und nun macht Euch für ’ne geile Offene Bühne bereit.

Es wird ein wunderbarer Abend – so viel sei gesagt,
ganz egal, wer sich dann auf die Bühne vorwagt.
Die Show ist mit Poesie gespickt.
Kurzfilme gibt es auch und ’ne Menge Musik.
Vielleicht noch Diashows … ich will nicht zuviel verraten,
weil die Helden des Abends ganz ungeduldig warten.

Ich ziehe vor diesen Menschen meinen Hut,
denn hier vorne zu stehen, bedeutet ’ne Menge Mut.

Das Festival wird jährlich steigen
und wir wollen unter anderem damit auch zeigen:
Es kommt nicht nur Scheiße aus sächsischem Mund …
die Region ist nicht braun sondern BUNT!!!

OFFENE BÜHNE SÄCHSISCHE SCHWEIZ … OPEN MIC!!!

Ich selbst freue mich wie ein klitzekleines Kind.
Will nicht lange reden und sage nur geschwind …
die Regeln der heutigen Show …
dieser Veranstaltung von höchstem Niveau.
Punkt 1 – jeder darf hier vor …
egal ob Profi oder Laie nur.
Die Zeit ist begrenzt, das wäre Punkt 2 …
10 Minuten ungefähr ist jeder dabei.
Punkt 3 kommt vor Punkt 4 …
wir machen auch Pausen für Essen und Bier.
Punkt 4 – ein Hauch von Abenteuer …
das Finale gibt es heute am Lagerfeuer.

OFFENE BÜHNE SÄCHSISCHE SCHWEIZ … OPEN MIC!!!

Nach dieser Einleitung legten The Pitchers sich wieder ins Zeug. Bei dem Auftakt konnte der Abend nur gut werden, dachte ich mir. Und ich sollte Recht behalten.
(Achja, einfach die Fotos anklicken und schon werden sie größer und vollständig.)

Dem ersten musikalischen Beitrag folgte eine kurze Lesung. Michael Diemetz erzählte von seinen Kletterabenteuern. Und hier zeigte sich, ich war doch nicht so gut gewappnet, wie ich dachte. Es fotografiert sich nämlich reichlich schlecht, wenn man nur am Lachen ist. Ein paar Fotos von ihm waren trotzdem möglich. Und ich musste dafür meinen Premium-Platz auf einer Bierzeltbank nicht mal verlassen. Mir hat die kurze Darbietung so gut gefallen, dass ich mir in der Pause eins seiner Bücher gekauft habe. Beim Kauf kamen wir ins Gespräch und ich bot ihm gleich an, dass ich ihm ein paar Fotos von seinem Auftritt zukommen lassen würde.

Nach Michaels verrückten Klettergeschichten war dann auch schon Lena an der Reihe. Sie war etwas aufgeregt, also setzte ich mich einfach in gebührender Entfernung vor ihr auf den Boden. So störte ich weder sie, noch den Blick vom Publikum auf sie. Deswegen gibt es von ihr auch nur Fotos aus einer Position. Ist das verkehrt? Nein, in meinen Augen nicht. Ob ich die Emotionen von links, rechts, oben oder unten fotografiere ist doch recht egal. Hauptsache, die Emotionen und die Stimmung kommen über das Foto auch beim Betrachter an.

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Singer/Songwriter und Liedermacher? Ich weiß es nicht, ist ja nicht mein Metier. Magnus Mond aus Dresden hat sich nun der Liedermalerei verschrieben, so jedenfalls steht es auf seiner Facebook-Seite. Was ist denn das nun schon wieder? Ich hab von Musik ja keine Ahnung, ich weiß nur, ich habe ihm gern zugehört. Magnus, wie machst du das eigentlich, gleichzeitig Gitarre und Mundharmonika spielen? Hat mich auf jeden Fall sehr fasziniert. Genau wie dein Outfit mit dem Zylinder; sehr cool!

Erwähnen möchte ich hier noch den Ulf, Ulf van de Breenfack. Er las der versammelten Meute eine Geschichte vor, witzig und vor allem tiefgründig. Es war ein Genuss ihm zu Lauschen und dann ist er auch noch so ein interessanter Typ. Vom Kleidungsstil einen guten Kontrast zu ihm bildete Anne Es, die ebenfalls Geschichten las. Ihr Thema war Liebe und Leidenschaft. Zum krönenden Schluss ihres Auftritts gab es nicht jugendfreien Inhalt, jugendfrei in einem Kochrezept verpackt. Im Heuboden gab es kein Halten mehr. Wer nicht sowieso schon im Heu lag, lag jetzt vor Lachen am Boden.

Said Redoune spielte dem Publikum Musik aus seiner Heimat Marokko vor. Irgendwie hatte er gar keine Gitarre dabei, also lieh ihm Lena ihre. Genau dieses Miteinander hat mich sehr beeindruckt und begeistert. Die Offene Bühne ist ein schöner Gegenentwurf zur vielerorts gelebten Ellenbogen-Gesellschaft. Zurück zu Said und seinem Auftritt. Said leitete seine Musik mit einem kleinen Scherz ein: „Ich sage euch jetzt einfach mal nicht, worum es in dem Lied geht, ihr versteht es ja eh nicht.“ Der Heuboden grölte, denn er hatte ja recht, keiner außer ihm verstand hier Nordafrikanisch. Macht aber nichts, er spielte seine Lieder mit so viel Hingabe, dass er alle mitriss.

Weiter oben habe ich die Proben der Tuch-Zwillinge Charlotte und Klara erwähnt. Sie fragten mich vor Beginn der Veranstaltung, ob ich sie auch fotografieren würde. Natürlich würde ich. Zu fortgeschrittener Stunde kam dann der Zeitpunkt ihres Auftritts. Ich positionierte mich fast unter ihnen und versuchte mein Glück. Es war einfach atemberaubend,. was die beiden da machten. Leider können die Fotos die Dynamik der Bewegungen nicht so richtig widerspiegeln. Auch war das schummrige Licht nicht unbedingt gut geeignet für schnelles und präzises Fokussieren. Dafür sorgte es für eine die Show untermauernde Stimmung.
Zum Glück hat niemand meinen vom Staunen offenen Mund hinter der Kamera gesehen 😉


Wie fand ich nun den Abend? Beeindruckend und für mich persönlich sehr wertvoll. Nicht, weil ich jetzt im Geld schwimme, sondern weil ich neue Leute kennen gelernt und neue Kontakte geknüpft habe. Außerdem hat mir das Arbeiten dort so viel Spaß gemacht, dass ich das öfter machen möchte. Nächstes Jahr (26.05.2018) habe ich hoffentlich Zeit und bin wieder mit dabei, dann vielleicht auch über Nacht. Mal sehen, ob sich auch mal die Gelegenheit ergibt, in Dresden oder der näheren Umgebung bei einer ähnlichen Veranstaltung zu fotografieren.
Mir ist aufgefallen, dass die Tipps zur Konzertfotografie für solche Veranstaltungen nicht wirklich hilfreich sind. Ich musste meinen eigenen Weg finden und das war auch gut so. So sind es keine beliebigen Konzertfotos geworden, sondern Fotos von mir.

Als ich mal kurz eine Biopause machen musste, überließ ich Lena mein Fotozeugs. Sie guckte sich in der Zeit die bis dahin entstandenen Fotos an und zeigte sie auch dem ein oder anderen. So ist der Kontakt zu Magnus und zu Timo entstanden. Schon vor der Veranstaltung bekam ich, auch dank Lena, zudem ein Armbändchen, das mich als „Schaffenden“ identifizierte. Ich war also Teil des Ganzen. Das mindeste, was ich nun tun kann, ist es ein bisschen Werbung für die Offene Bühne und die im Beitrag vorkommenden Künstler zu machen. Wer mehr wissen möchte, auch über die anderen Künstler, der besucht bitte die Facebook-Seite der Offenen Bühne Sächsische Schweiz. Und nun möchte ich zum Schluss noch ein paar Fotos zeigen, die so nicht in den Beitrag gepasst haben. Auch hier gilt, kleines Foto Anklicken macht Freude 😉

1 Comment

  1. […] zukommen. Kreativitätsseitig war ich ganz gut vorbereitet, dachte ich. Und im Gegensatz zur Offenen Bühne, war es dann auch tatsächlich […]

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