Der Hafen von Breege – von Smartphones und dem Fotografieren

Breege I

Wer analog fotografiert, vor allem im Mittelformat oder noch größer, der ist es gewöhnt, von allen Seiten mit neugierigen und teilweise ungläubigen Blicken bedacht zu werden. Ich habe jedoch verstärkt das Gefühl, dass in Zeiten der domierenden Handy-Fotos auch der Einsatz einer normalen digitalen Spiegelreflex-Kamera immer mehr wie die Sichtung eines Einhorns bewertet wird. Von überall kommen Leute rein zufällig vorbei und bestaunen, was man da macht. Vor allem beim Einsatz von Stativ und Filtern ist die erregte Aufmerksamkeit groß. Manchmal kommt man ins Gespräch, mit Jung und Alt, und meist sehr nett. Aber es fallen auch (geflüsterte) Kommentare, dass einem die Haare zu Berge stehen: „So ein Nerd, hat der kein iPhone? Damit mach ich voll die geilen Fotos.“ Nun ja, man kann mit einem modernen Smartphone gute, auch sehr gute Fotos machen, ohne Zweifel. Aber es gibt Fotos, die kann man damit nicht machen.

Zum Beispiel Langzeitbelichtungen sind mit einem Handy ohne weiteres nicht möglich. Und da bin ich schon beim Thema. Der Breeger Hafen ist der perfekte Ort für eine morgendliche oder abendliche Langzeitbelichtung. Am Abend geht die Sonne direkt über dem Ort unter und morgens geht Sie wieder über dem Hafen auf. Zudem liegt der Hafen recht geschützt im Breeger Bodden, sodass sich der Wellengang in Grenzen hält. Gleichzeitig war es am Tag der Aufnahme fast windstill und die Boote bewegten sich kaum bis gar nicht.

Ich glaube, die Stimmung kommt im Foto ganz gut rüber. Die Lichtstimmung in entgegen gesetzter Richtung war wieder eine völlig andere. Das zeigt wieder, warum in erster Linie das Licht ein Foto ausmacht und nicht die Kamera. Die Technik spielt natürlich trotzdem eine Rolle. Denn auch das untere Foto steht und fällt mit dem Einsatz eines Polfilters. Um die Spieglungen wirklich derart klar herauszuarbeiten, kommt man nicht umhin, einen Polfilter zu benutzen.

Schon seit einiger Zeit wird (vor allem von Apple und Huawei) behauptet, dass Smartphones Fotos in DSLR-Qualität machen könnten. Unter perfekten (Licht-)Bedingungen und ohne besondere Anspüche mag das stimmen, doch die beiden Fotos oben zeigen, dass es Grenzen gibt. Und deswegen sind Smartphones mitnichten der Sargnagel der klassischen Fotografie. Sie sind vielmehr eine Ergänzung, aber mehr auch nicht. Auch das neue iPhone 7 Plus mit den zwei 12MP-Chips und zwei verschiedenen Objektiven wird daran nichts ändern können. Da können die Jungs aus Cupertino noch so oft behaupten, dass es die beste Handy-Kamera aller Zeiten ist. Eine DSLR oder DSLM kann und wird das iPhone (und andere aktuelle Smartphones) nicht ersetzen.


Einen kleinen Zusatz gibt es noch. Und zwar ein (mit meinem Handy gemachtes) Making-of Foto. Allerdings hatte ich hier weder den Verlaufsfilter eingesetzt und noch den Fernauslöser angeschlossen, da das nur eine erste Testaufnahme mit 30s Belichtungszeit war. Wie ihr sehen könnt, habe ich mir aus einer Augenmuschel (DK-21, gibt’s auch sehr günstig von Drittanbietern) eine Sucherabdeckung gebaut. Die normale Sucherabdeckung (DK-5) ist viel zu kein, geht schnell verloren und sitzt meines Erachtens deutlich zu straff auf dem Sucher.

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