Analoges Shooting mit Vanessa

Vanessa - Kodak Portra 160 (RB67)

Meine analoge Ausrüstung ist mittlerweile gut gewachsen, sehr zum Leidwesen meiner Frau. Vor allem für die Mamiya RB67 sind mittlerweile 5 Objektive vorhanden, 3 davon sind prädestiniert für Portraitfotografie: das 90mm f/3.8, das 127mm f/3.5 und das 180mm f/4.5. Aber noch nie habe ich sie so wirklich dafür eingesetzt. Das musste sich ändern!

Glücklicherweise hat mich vor kurzem Vanessa angeschrieben und gefragt, ob wir nicht mal ein gemeinsames Shooting machen wollen. Und ganz speziell analog! Also haben wir ein abendliches Shooting an der Elbe vereinbart. Vanessa wollte sehr gern Farbfotos machen. Das hieß, dass ich noch ein paar Portraitfilme besorgen musste. Den Kodak Portra 400 und den Fuji Pro 400H hatte ich zwar noch da, aber ich wollte noch etwas weniger empfindliches nutzen, da ich vor allem in der Abendsonne fotografieren wollte. Der Kodak Ektar ist zwar gut, aber eher für Landschaften gedacht und der Fuji Pro 160NS ist mir ja viel zu bunt. Also fiel die Wahl auf den Kodak Portra 160.

Leider war es am späten Nachmittag bzw. Abend des Shootings in Dresden doch wieder leicht bedeckt und es war nicht so hell, wie erhofft. Daher kamen dann natürlich auch die ISO400er Filme zum Einsatz. Den Wolken zum Trotz war es ein sehr schönes Shooting mit Vanessa. Sie war sehr geduldig, wenn ich bei der RB67 doch mal wieder vergessen hatte, den Schieber zu entfernen oder das Magazin zu weiterzuspulen. Was ihr bzw. uns etwas die Nerven geraubt hat, war das sehr laute „Konzert“ von Frauenarzt und K.I.Z., das zeitgleich bei den Filmnächten am Elbufer stattfand. Das kam nicht wirklich eine gemütliche Stimmung auf.

Natürlich bekam auch die Nikon FM2 ihre Einsatzzeit. Mit ihr arbeitet es sich deutlich schneller, als mit der RB67. Aber immer noch langsamer als mit meiner D750. Und was die RB67 und FM2 gemein haben, ist die entstehende Vorfreude. Man kann ja schlecht kontrollieren, ob ein Foto geworden ist. Wo ich auch schon wieder beim Thema bewusster Fotografieren bin. Dazu zwingt mich die Arbeit mit Film und das ist für Vanessa nicht immer leicht gewesen, da ich immer wieder das Licht messen musste und meine Position und ihre Posen dauernd leicht verändert habe, um das in meinem Kopf vorhandene Foto umzusetzen. Das hieß auch immer wieder mal das Objektiv zu wechseln. Vanessa hat das alles mit Humor und einer großen Portion Ruhe über sich ergehen lassen. Aber ich denke, dass es sich wirklich gelohnt hat.

Nachdem wir genug Fotos an den Elbwiesen gemacht hatten zogen wir weiter in Richtung Landtag und Kongresszentrum. Vor allem auf der Terrasse des Kongresszentrums gibt es reichlich Möglichkeiten für schöne Fotos. Hier kam dann nur noch die FM2 zum Einsatz, da es den Objektiven der RB67 etwas an Lichtstärke fehlt und ich ehrlich gesagt etwas zu faul war, wieder das Stativ vom Rucksack zu nehmen und die Mamiya draufzuschnallen. Mit der FM2 und dem 50er Nikkor ging das alles auch ohne Stativ.

Zu guter letzt wollte ich noch einen großen Wunsch von mir umsetzen. Schwarzweißfotos auf dem nur durch die Laternen erhellten Theaterplatz. Auch hier war Vanessa gern bereit mitzumachen. Allerdings mussten wir nach Sonnenuntergang noch etwas warten, bis die Laternen eingeschaltet wurden und es hinreichend dunkel war.
Aus Ermangelung eines ISO1600 oder ISO3200 S/W-Films (den Ilford Delta 3200 hätte ich kaufen können, habe ich aber versäumt), musste der Rollei RPX400 ran. Von Anfang an hatte ich vor, ihn in der Entwicklung um zwei Blenden auf ISO1600 pushen zu lassen. Aber selbst das war laut meines Belichtungsmessers ein sehr optimistischer Plan, da Blende f/3.5 bzw. f/3.8 einfach schon viel Licht schlucken. Also habe ich mit 1/60s bis 1/30s fotografieren müssen, damit es halbwegs passt. Und es hat gepasst.

Dieser körnige und sehr kontrastreiche Look ist genau das, was ich wollte. Dass die Fotos überhaupt etwas geworden sind, bezweifelte ich nach dem ersten, flüchtigen Begutachten der Negative auf dem Lichttisch bei Foto Görner sehr. Da war nicht viel zu erkennen, die Negative hatten kaum Dichte. Aber nach dem Scannen kam das große „WOW!“. Wahnsinn, was da noch rauszuholen war.

Der RPX400 wird schon sehr körnig, wenn man ihn um zwei Blenden pusht, aber das finde ich vollkommen okay. Was mich überhaupt nicht gefallen hat, ist dass ein Film trotz korrekter Wicklung am Rand teilweise eingerissen war. Ich hatte schon beim Weiterspulen gemerkt, dass es etwas schwer ging, aber dass er halb zerfetzt wurde, fand ich sehr unschön. Das muss ich jetzt mal beobachten, ob das am Film oder am Magazin liegt. Ich vermute aber eher am Film, da ich bei den Farbfilmen keinerlei Probleme hatte.

4 Comment

  1. Wolfram Goldmann says: Antworten

    Hi! Super Fotos mit der Mamiya , auch die sw Fotos ,bin begeistert. Fotografiere seit 75 mit der Mamiya rb und habe schon alle Objektive voll eingesetzt,, mir fehlt nur ein Blog um sie zu prästitieren zu können. Dank Dir habe ich mein analogen fotoladen gewechselt, und bin zu macodirekt gewechselt.

  2. […] Licht vorhanden. Viel möchte ich gar nicht zum Shooting schreiben, das habe ich an anderer Stelle schon getan. Nur soviel, es war mal etwas völlig anderes und hat extrem viel Spaß gemacht. Die Ergebnisse […]

    1. neugi85 says: Antworten

      Hallo Wolfram,
      danke für das Lob. Die RB67 und ihre Objektive sind aber auch eine Wucht und es ist eine Freude mit dem System zu arbeiten.
      Ich bin eher durch Zufall auf Macodirect gestoßen, da dort auch die Datenblätter zu den Filmen vorhanden sind. Und außerdem haben sie Filme im Angebot, die andere Händler nicht führen.
      Viele Grüße aus Elbflorenz
      Paul

  3. […] vor Ende des alten Jahres wart ich nochmal mit Vanessa für ein kurzes Shooting verabredet. Wir trafen uns am Campus der TU Dresden und liefen ein wenig […]

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