Unterwegs mit der RB67 – 1 Kamera, 1 Fotograf, 4 verschiedene Filme

RolleiRPX400

Ich war in letzter Zeit immer öfter mit meiner Mamiya RB67 unterwegs. Sowohl in Leipzig, als auch in Brandenburg, ja sogar bei uns Zuhause im Heimstudio habe ich sie genutzt. Die Vertrautheit mit ihr wächst und auch die Fotos werden immer besser. Letzteres liegt auch daran, dass ich mittlerweile besser weiß, wie ich die verschiedenen Filme optimal belichte und worauf ich bei einem Motiv belichten sollte. Und so kamen innerhalb von 2 Wochen vier belichtete Filme zusammen. Meine Lieblingsfilmverkäuferin bei Foto Görner war ganz erstaunt, als ich da die 4 Rollen auf den Tresen stellte. Außerdem waren es alles verschiedene Filme von vier verschiedenen Herstellern: Rollei RPX400, Fujifilm Pro 400H, Kodak Ektar 100 und Ilford Pan F Plus. Aber letztlich waren es trotzdem nur 40 Fotos. Das ist in der heutigen Zeit ja eigentlich ein Witz und für Kleinbild-Fotografen auch nicht die Welt. Die bekommen schließlich 24 bis 36 Fotos auf einen Film, je nach Ausführung. Im 6×7-Mittelformat ist das aber schon eine Menge.

Das Foto oben ist mit dem Rollei RPX400 entstanden. Ganz schön viel Korn für ein ISO400-Film, oder? Nö eigentlich nicht, wenn man betrachtet, dass ich das Foto fast zwei Blenden unterbelichtet habe und es normal entwickelt wurde. Sprich das sind reale ISO1600, und dafür ist es dann schon wieder echt brauchbar. Der RPX400 kann mehr, viel mehr:

Also da kann ich nicht meckern, sehr scharf, guter Kontrast und sehr angenehmes Korn. Ich mag ihn sehr, etwas mehr sogar als den Ilford HP5+. Naja, ist alles Geschmackssache, aber preislich ist der RPX400 auch sehr attraktiv (knapp 1€ pro Rolle preiswerter als der HP5+). Ich für meinen Teil werde wohl beide Filme parallel nutzen. Oder doch den Kodak T-Max 400 noch probieren und vielleicht auch den Kodak Tri-X 400? Verdammt, zuviel Auswahl!

Obwohl ich ja ein Fan von Schwarzweiß-Fotos bin, reizt mich auch die analoge Farbfotografie. Und da hat Fujifilm einen recht empfindlichen Film im Angebot der ebenfalls kürzere Belichtungszeiten ermöglicht, den Pro 400H. Was soll ich sagen, er ist nicht billig, aber verdammt gut. Extrem geringes Korn, gute Schärfe und eine sagenhafte Dynamik. Aus den Scans ist noch einiges herauszuholen. Und seine Farbwiedergabe ist sowieso genau mein Fall. Ihm schenke ich auf jeden Fall mein Vertrauen, obwohl der Kodak Portra 400 auch noch in meiner Filmkiste lauert.

Vom Verkäufer der Pentax 645 hatte ich noch 5 Rollen Kodak Ektar 100 mitbekommen, zwar verfallen, aber noch nutzbar. Da ich die 645 nicht mehr habe, nutze ich sie jetzt mit der RB67. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Der Ektar passt irgendwie besser zur RB67 als zur Pentax 645. Ich weiß auch nicht so recht wieso ich das so empfinde. Bauchgefühl halt. Ich muss nochmal den Fujifilm Pro 160NS mit der RB67 testen, um zu entscheiden, welchen mittelempfindlichen Farbfilm ich in Zukunft nutze. Der Ektar ist jedenfalls ein guter Film, und richtig belichtet bieten seine Scans einige Reserven. Die Farben, die er produziert finde ich auch sehr schick. Es funktioniert auch gut in unserem Heimstudio mit den Jinbei-Blitzen. Wobei er dann doch schon eine wahrnehmbare Farbabweichung (zu kühl) produziert (liegt aber am Blitz, der eben kein perfektes Tageslicht abgibt).

Ja, er rauscht etwas, aber das liegt wohl vor allem am überlagerten Zustand, normalerweise sollte der Ektar kaum Korn zeigen.

Und nun kommt noch der vierte Film, der Ilford Pan F Plus. Er bildet jetzt den krönenden Abschluss, wenn man es so will. Das ist einer der besten Filme, die ich bis jetzt belichtet habe. An ihm gibt es nichts zu kritisieren. Außer vielleicht der, wie bei allen Ilford-Filmen, sehr ausgeprägte Schwarzschild-Effekt. Bei gemessenen 30s muss der Pan F fast 160s belichtet werden, damit er korrekt belichtet wird. Zum Vergleich, der Kodak T-max 100 muss bei gemessenen 30s lediglich 45s belichtet werden. Das ist schon ein heftiger Unterschied. Aber er ist trotzdem ein idealer S/W-Film für die Landschaftsfotografie, da er schön kontrastreiche Resultate liefert und zudem kaum Korn zeigt. Nur LZBs sind nicht so seine Sache. Die Negativ-Scans vom Pan F Plus besitzen auch noch reichlich Reserven.

Obwohl die Auswahl an Filmen stetig nachlässt hat man immer noch die Qual der Wahl. Manche Filme unterscheiden sich nur marginal und das macht die Entscheidung nicht leichter. So wie beim Ilford HP5+ und dem Rollei RPX400. Beide sind gut und sich sehr ähnlich. Aber im Hinblick auf unseren geplanten Südengland-Urlaub sollte ich mich langsam mal entscheiden welche Filme ich mitnehme, bzw. welche ich vorher kaufe. Ach was solls, ich habe ja noch bis Mai Zeit 😉

Und so werde ich weiter losziehen und Filme testen, es warten ja noch ein paar auf ihren Einsatz. Und im Laden warten noch mehr Filme darauf, dass ich sie durch die RB67 jage.

1 Comment

  1. Helmut Knüfermann says: Antworten

    Freut mich sehr, wieder einen Fotografen entdeckt zu haben, der – wie ich – auch mit der Mamiya RB67 fotografiert. Für die guten Ergebnisse lohnt es sich ! Für ein ruhiges überlegtes Fotografieren eine hervorragende Kamera. Interessant, die verschiedenen Film-Typen im Vergleich zu sehen. Bei mir ist im Laufe der Zeit nach einigen Versuchen allein der Kodak Portra 160 übrig geblieben. Ausgezeichnete Auflösung und lässt sich sehr gut in meiner „digitalen Dunkelkammer“ mit dem Epson V 750 pro und SilverFast AI St.8 einscannen (da mir leider aus Platzmangel kein analoges Fotolabor zur Verfügung steht). Als (ebenfalls) Fan der Schwarzweiss-Fotografie erlaubt mir der farbige Portra 160 über „Silver Efex Pro“ und „Photoshop“ bei der Konvertierung in s/w einen sehr hohen Einfluss der Steuerung von Kontrasten. Bei schwarz-weiss Filmen habe ich diese Möglichkeit über „Photoshop“ auch, aber nicht so ausgeprägt.
    Auch wenn ich digital recht gut ausgerüstet bin, komme ich doch für viele Fotodokumentationen immer wieder auf meine analogen Mittelformat-Kameras zurück. Klassische Fotografie ! Stativ, Spiegelvorauslösung, Drahtauslöser, Handbelichtungsmesser, Ruhe und Nachdenken. Durch den Umgang mit dem Mittelformat komme ich auch bei der digitalen Fotografie immer wieder zurück auf ein „überlegtes Arbeiten“, statt auf Schnellschuss-Serien, aus denen man sich das beste Foto aussucht.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Kreativität mit der RB67.
    Hel Mut

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