Gebrauchte Fotoausrüstung kaufen – Wo? Bei wem? Und überhaupt, wieso?

Exakta Varex VX und Mamiya RB67 Pro-S

Fotografie ist bekanntlich kein billiges Hobby. Ganz zum Leidwesen meiner Frau, wenn ich wieder mit etwas neuem daherkomme. Die erste Frage ist dann immer: Wieviel? Gleich danach kommt: Wozu brauchst du das überhaupt? Vor allem die letzte Frage ist echt fies. Eine Antwort wie: „Na, ich brauch es halt, weil … na weil damit alles noch toller wird.“ ist übrigens nicht so der Bringer und führt nur zu weiteren Nachfragen. Eine perfekte Antwort auf die Frage wofür man das ganze Zeug braucht habe ich auch noch nicht gefunden.

Ein bisschen abmildern kann man die ganze Situation, indem man nicht immer alles neu kauft. Gebrauchte Kameras, Objektive, Blitze und sonstiges Zubehör sind meist deutlich günstiger zu haben. Das ist wie beim Autokauf, ist der neue Hobel einmal vom Hof gerollt, ist er gleich weniger Wert. Das selbe gilt für Fotoequipment. Einmal ausgepackt und schon gilt’s als gebraucht. Da kann man als Käufer bares Geld sparen. Aber Obacht, nicht jedes Angebot ist auch wirklich ein Schnäppchen. Außerdem stellt sich immer die Frage, ob man von privat oder von einem Händler kaufen sollte. Und welche Plattform will man nutzen?

Ich versuche das mal aufzudröseln und meine Erfahrungen wiederzugeben.

Privat oder vom Händler?

Beides hat seine Vor- und Nachteile. Private Anbieter sind meist günstiger als Händler, geben jedoch keine Garantie oder Gewährleistung, auch ein Rückgaberecht hat man bei ihnen als Käufer fast nie. Hier muss man selbst entscheiden, ob man auf die genannten Sicherheiten verzichten kann. Wer das nicht kann sollte sich immer an gewerbliche Anbieter wenden. Wenn es auf die Funktion nicht so sehr ankommt, sondern die Kamera oder das Objektiv für die Vitrine gedacht sind, dann kann man getrost ein privates Angebot nutzen. Es kommt aber auch immer darauf an, über welche Plattform man kauft. Denn auch hier gibt es große Unterschiede.

Wahl der Plattform: Trödel, Fotoforum, Ebay und Co

Wer auf einem Trödelmarkt oder einem Fotobasar sein Glück versucht, bekommt vom Veranstalter keinerlei Schutz, falls man übers Ohr gehauen wurde. Hier zählt dann lieber eine Frage mehr stellen und auf ein paar Funktionstests bestehen. Wenn dann alles klappt, wie man sich das vorstellt, dann kann man auf einem Trödelmarkt teilweise gute Schnäppchen machen.

Auch in Kleinanzeigen, sowohl online als auch in den Printmedien oder im örtlichen Supermarkt am schwarzen Brett, findet man hin und wieder Angebote für Kameras, Objektive und sonstiges Fotozubehör. Hier gilt auch, lieber hinfahren und testen, als die Katze im Sack zu kaufen.

In so gut wie jedem Fotoforum gibt es auch eine Angebotsecke. Viele Forenbetreiber versuchen eine gewisse Sicherheit herzstellen, indem die Mitglieder bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen ehe sie verkaufen dürfen. Es gibt trotzden immer wieder schwarze Schafe. Ich persönlich habe bisher noch nie Probleme gehabt und schon einiges an Fotozubehör im DSLR-Forum gekauft, aber auch verkauft. Es lohnt sich, sich mal die Beiträge der Anbieter anzuschauen. Anhand derer kann man ganz gut feststellen, ob das Forumsmitglied echt ist oder eben nicht. Wer schon ewig Mitglied ist, aber immer noch keine Beiträge vorzuweisen hat, bei dem kaufe ich nicht.

Platzhirsch unter den Plattformen für Fotoequipment ist ohne Zweifel Ebay. Hier tummeln sich private Anbieter genauso, wie die großen Elektronikfachmärkte. Von der alten Praktika für 10€ bis zur Phase One XF für schlappe 22.000€ bekommt man hier alles.
Am sichersten fährt man, wenn man bei einem gewerblichen Anbieter auf Ebay kauft. Die müssen eine 14-tägige Rücknahmemöglichkeit anbieten. Logischerweise verlangen diese Anbieter dann auch etwas mehr. Aber Obacht, nicht alle Händler, die als Artikelstandort Deutschland angeben sitzen auch wirklich in Deutschland. Einige Anbieter aus Hongkong geben Frankfurt/Main als Standort an, versenden aber eigentlich aus Hongkong. Hier können zusätzliche Zollkosten und Steuerabgaben auf euch zukommen, die den vermeintlich günstigen Preis deutlich in die Höhe treiben. Wer auf eine gebrauchte Kamera oder sonstiges Fotozubehör japanischer Hersteller aus ist, sollte sich mal bei japanischen Anbietern umschauen. Dort sind die Preise teilweise 60-80% unter denen deutscher bzw. europäischer Anbieter. Da spart man dann inklusive Zoll und Steuern immernoch einiges.
Natürlich gibt es auch viele private Anbieter von Fotoausrüstungen auf Ebay. Ich bin da bisher immer gut gefahren und habe bis jetzt keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich achte jedoch immer auf die Bewertungen der Verkäufer, diese sollten positiv sein und das vor allem auch als Verkäufer. Und wenn man mit Paypal zahlen kann, dann umso besser, denn Paypal bietet einen Käuferschutz. Es lohnt sich auch, nicht nur in die Sofort-Kaufen-Rubrik zu schauen, sondern auch mal die laufenden Auktionen zu durchforsten. Aber beim Bieten sollte man sich ein unumstößliches Limit setzen und nicht in die Bieter-Euphorie verfallen. Nur so lassen sich wirklich Schnäppchen machen. Wer bietet bis zum geht nicht mehr, nur um die Auktion zu gewinnnen wird am Ende deutlich draufzahlen.
Bei allen Gebraucht-Angeboten, egal ob von gewerblichen oder privaten Anbietern, sollten immer Fotos des tatsächlich verkauften Artikels beinhalten. Offizielle Produktfotos vom Hersteller nützen niemandem was und lassen vermuten, dass der Verkäufer etwas zu verbergen hat und im schlimmsten Fall der Artikel gar nicht existiert. Nur bei Neuware vom Händler sind Produktfotos in meinen Augen akzeptabel.

Über Amazon kann man auch gebrauchte Kameras, Objektive und sonstiges Fotozubehör kaufen. Teilweise von Amazon direkt (Warehouse Deals), von Händlern, aber auch von privaten Anbietern. Ich habe diese Angebote bisher kaum genutzt, da ich für diesen Zweck Ebay deutlich besser finde. Bei Gebrachtwaren muss man sich auf die arg kurze Bewertung der Anbieter verlassen und Fotos gibt’s auch nicht. Das ist schon ein bisschen, wie die Katze im Sack zu kaufen. Klar, man hat einen Käuferschutz durch Amazon, aber ein Restrisiko bleibt.

Versandkosten

Je nach Plattform und Angebot sind die Versankosten inklusive oder müssen zusätzlich entrichtet werden. Ich möchte hier jedoch mal zu bedenken geben, dass exklusive Versandkosten kein Teufelswerk sind oder eine Masche um noch mehr zu verdienen. Der Versand kostet Geld, umso schwerer der Artikel, umso mehr Porto verlangen DHL, Hermes und Co. Doch das Porto ist nicht alles, Polstermaterial (diese lustige Luftpolsterfolie z.B.) gibt es nicht umsonst und auch die Kartonage will bezahlt werden. Also nehmt die Versandkosten hin und fangt nicht an, um jeden Euro zu feilschen, nur weil die Versandkosten das reine Porto um 2€ übersteigen. Zudem bieten viele Anbieter, gewerblich und privat, Kombiversandmöglichkeiten an, wenn man mehrere Artikel bei ihnen kauft. Und wenn es nicht explizit im Angebot steht, kostet es ja nicht, den Anbieter einfach mal danach zu fragen.

Fazit

Ebay und Foren sind eine wahre Fundgrube an gebrauchtem Fotoequipment. Hier kann man bares Geld sparen. Aber wie so oft gilt beim Gebrauchtkauf, der gesunde Menschenverstand sollte immer in die Kaufentscheidung einbezogen werden. Ist ein Angebot zu schön, um wahr zu sein, ist es das meist auch.

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