Meine Ansicht zu Schwarzweiß- und Farbfotos

Da ich ja aktuell wieder anfange analog zu fotografieren, muss ich mich natürlich auch immer mehr damit beschäftigen, ob die Fotos schwarzweiß oder farbig werden sollen. (Ich empfehle hierzu auch mal einen Blick in das Buch Die Hohe Schule der Fotografie“ von Feininger zu werfen.)
Ist der Film erstmal eingelegt, muss man ihn auch zuende fotografieren. Man kann nicht so ohne weiteres zwischen den Filmen und ISO-Empfindlichkeiten hin und herspringen, wie es die digitale Technik erlaubt. Okay, die Mamiya RB67 ermöglicht durch Wechsel der Filmmagazine theoretisch eine gewisse Flexibilität. Ich habe aber bis jetzt nur ein Magazin, also bin ich doch für 10 Fotos an einen Film mit seinen Spezifikationen gebunden. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Für Farbfotos muss man anders fotografieren als für Schwarzweißfotos. Das gilt für Film besonders, aber auch in der digitalen Fotografie sollte man vorab schon einen Plan haben, ob das spätere Bild farbig oder monochrom sein soll. Ich habe mich zum Beispiel beim ersten Einsatz meiner RB67, vorher dafür entschieden sie mit einem Ilford FP4+ S/W-Film zu beladen. Und was habe ich mich dann vor Ort geärgert, nicht doch einen Ektar-Farbfilm eingespult zu haben. Die meisten Motive waren eher für Farbe geeignet. Naja, nicht so schlimm, ich habe sowieso nur 5 Fotos mit ihr gemacht. – Letztlich sind die S/W-Fotos auch sehr gut geworden.

Schwarzweiß bietet sich in meinen Augen immer dann an, wenn man starke Kontraste im Motiv hat. Das Spiel von Licht und Schatten, wie oben im Bild vom See, wirkt farbig einfach nicht so sehr. Schwarzweiß reduziert die optischen Reize und lässt dem Betrachter mehr Raum für Interpretationen, für eigene Gedanken. Vor allem wenn es um die Form oder Struktur eines Objektes geht, lässt es sich mit schwarzweiß in meinen Augen etwas besser (und auch einfacher) gestalten. Helligkeitsverläufe wirken ohne den Einfluss von Farbe ruhig und elegant. Harte Kontraste erzeugen Drama. Emotionen brauchen keine Farbe um zu wirken. Und genau deswegen wirken Portraits in schwarzweiß oft ansprechender. Denn man beschäftigt sich beim Betrachten nicht nur mit den Oberflächlichkeiten, sondern auch mit dem Subtilen. Genau deswegen habe ich das Portrait von Sarah auch in S/W konvertiert.

Es gibt jedoch auch Motive, die von ihrer Farbigkeit leben. Die Stimmung von warmen Sonnenlicht lässt sich ohne Farben kaum vermitteln. Allgemein sind Lichtstimmungen in meinen Augen immer ein Fall für Farbigkeit. Im Herbst ist natürlich Farbe nötig, wenn man dessen Farbenpracht einfangen und zeigen möchte. Farbfotos müssen ja auch nicht immer quietschbunt sein, wie das Foto der Rakotzbrücke. Eine reduzierte Sättigung kann sogar die Stimmung noch etwas verstärken.
Wenn der Kunde nach Farbfotos verlangt, dann erübrigt sich die Überlegung natürlich. So ist es zum Beispiel bei meinem Kalenderauftrag. Dort werden typische, bunte Postkarten-Motive von mir verlangt. Nicht, weil meinem Auftraggeber Schwarzweißfotos nicht gefallen würden. Die Zielgruppe des Kalenders „Ansichtssache“ erwartet einfach diese bunte Art von Fotos im Kalender. Dem muss man sich als Fotograf (und Dienstleister) einfach beugen.

Und das bringt mich zu einem weiteren Punkt. Als Fotograf muss man nicht nur das Motiv im Blick haben (haha, was für ein Wortwitz ^^), sondern auch immer die Zielgruppe. Hier ist es sinnvoll, einfach auch mal zu fragen, was gewünscht wird. Im Falle von Hochzeitsreportagen bzw. Portraitshootings wird meist beides gewünscht. Manchmal liefere ich dann auch ein und dasselbe Foto in zwei verschiedenen Entwicklungen ab. Jedoch nur, wenn beides zum Foto passt. Ein Foto, dass von vornherein für schwarzweiß fotografiert wurde, kann in Farbe durchaus gut sein. Es kann aber auch das Gegenteil der Fall sein. Es gibt (engstirnige) Puristen, die meinen, alles sähe in schwarzweiß toll aus und Farbe sei Spielerei. Das ist in meinen Augen Quatsch. Es gibt gute Gründe, sich nicht nur auf eins zu konzentrieren. Nur solche Unarten, wie ColorKey finde ich weniger schön und mache ich selber auch nicht.

Ich persönlich mag beide Varianten, wobei ich derzeit schwarzweiß leicht bevorzuge. Deswegen habe ich auch erstmal mehr S/W-Rollfilme für die RB67 rumliegen, als Farbfilme. Liegt aber auch daran, dass ich noch am Probieren bin, welche Filme mir am meisten zusagen. Letztlich will ich eigentlich nur 4 verschiedene Filme einsetzen, jeweils 2 verschiedene für S/W und Farbe. Zurzeit liegen noch allein 4 verschiedene Schwarzweiß-Filme bei mir Zuhause: Rollei RPX25 (ISO25), Ilford Pan F (ISO50), Ilford FP4+ (ISO125) und Ilford HP5+ (ISO400).
Zu den verschiendenen Filmen und wie ich sie finde werde ich bestimmt mal einen Beitrag schreiben und auch jeweils dazugehörige Beispielfotos zeigen.

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